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Hyperfokus bei ADHS: Verstehen, Bewältigen und Stärken

Wenn wir von ADHS sprechen, denken wir oft an Schwierigkeiten: Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität, die Neigung, sich leicht ablenken zu lassen. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine überraschende Dimension dieser Neurodiversität: die Fähigkeit zu extremer, tiefer und totaler Konzentration. Es ist das Phänomen des Hyperfokus – eine Form intensiver Aufmerksamkeit, die, wenn sie erkannt und gezielt eingesetzt wird, zu einer wahren Ressource für persönliches Wachstum, Kreativität und Authentizität werden kann.

Neuroentwicklung

ADHS

Inhalt zusammengestellt von:

MindSwiss-Redaktionsteam

Inhaltsverzeichnis

Hyperfokus bei ADHS: Verstehen, Bewältigen und Stärken

Montag 24 November 2025

ADHS und Hyperfokus: Wenn Aufmerksamkeit zur Macht wird

Wenn wir über ADHS sprechen, denken wir oft an Schwierigkeiten: Konzentrationsschwierigkeiten, Impulsivität, die Neigung, sich leicht ablenken zu lassen. Doch wenn wir lernen, genauer hinzusehen, offenbart sich eine überraschende Dimension dieser Neurodiversität: die Fähigkeit zu extremer, tiefer, totaler Konzentration. Es handelt sich um das Phänomen des Hyperfokus – eine Form intensiver Aufmerksamkeit, die, wenn sie erkannt und gesteuert wird, zu einer echten Ressource für persönliches Wachstum, Kreativität und Authentizität werden kann.

Was ist Hyperfokus: eine außergewöhnliche Aufmerksamkeitsspanne?

Hyperfokus ist ein Zustand so intensiver Konzentration, dass alles andere auszublenden scheint. Es ist, als ob das Gehirn, anstatt die Aufmerksamkeit zu verteilen, einen grellen Scheinwerfer auf eine einzige Aufgabe oder ein bestimmtes Interesse richtet und alles andere in den Hintergrund rückt. Es handelt sich um eine Form des „kognitiven Tunnelns“, bei der sich Menschen mit ADHS stundenlang in eine anregende Tätigkeit vertiefen können – sei es Zeichnen, Programmieren, Schreiben oder Spielen – und dabei völlig das Zeitgefühl verlieren. Dies ist nicht das Gegenteil von Unaufmerksamkeit, sondern vielmehr eine andere Ausprägung davon. Bei ADHS liegt das Problem nicht in mangelnder Aufmerksamkeit, sondern in deren Regulierung: Das Gehirn ist nicht in der Lage, sie gleichmäßig und flexibel zu verteilen. Hyperfokus ist daher eine der beiden Pole dieser Funktionsweise und wird häufig durch stark motivierende oder belohnende Reize ausgelöst.

Die hellen und dunklen Seiten des Hyperfokus

Hyperfokus kann ein Segen, aber auch eine Falle sein. Richtig eingesetzt, ermöglicht er außergewöhnliche Ergebnisse: schnelles Lernen, innovative Lösungen entwickeln und komplexe Projekte mit Leidenschaft und Hingabe abschließen. Führt er jedoch zu unproduktiven Aktivitäten oder unpassenden Zeitpunkten, kann er dazu führen, dass andere wichtige Lebensbereiche vernachlässigt werden – Beziehungen, Verpflichtungen und Grundbedürfnisse wie Essen und Schlafen. Das Erkennen der Signale, die auf ein Einsetzen und Abklingen von Hyperfokus hinweisen, ist der erste Schritt, ihn bewusst einzusetzen. Es geht nicht darum, diese Eigenschaft „abzuschalten“, sondern vielmehr darum, sie zu modulieren: zu entscheiden, wann man den Fokus verstärkt und wann man ihn auf etwas anderes richtet.

ADHS und Hyperfokus: Eine andere Sichtweise auf die Funktionsweise

Menschen mit ADHS kennen das Paradoxon nur zu gut: „Ich kann stundenlang an etwas arbeiten, das mir Spaß macht, aber mich keine zehn Minuten auf etwas konzentrieren, das mich nicht interessiert.“ Das ist weder Faulheit noch Unorganisiertheit, sondern eine Frage der Dopaminregulation. Das ADHS-Gehirn sucht gezielt nach besonders belohnenden Reizen, und wenn es diese findet, ist die Aufmerksamkeit tief und umfassend fokussiert. Es ist, als ob endlich die ganze Welt in einem klaren Bild erscheint. Aus diesem Grund zeichnen sich viele Menschen mit ADHS in kreativen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bereichen aus, in denen sie ihre Energie kanalisieren können. Hyperfokussierung wird so zu einer Form des völligen Eintauchens, die Kreativität, beschleunigtes Lernen und herausragende Produktivität fördert.

Hyperfokus und Beziehungen: Zwischen Verbundenheit und Distanz

Hyperfokussierung kann sich auch in Beziehungen ambivalent äußern. Einerseits kann jemand mit ADHS vollkommen präsent, engagiert und authentisch sein und dem Gegenüber das Gefühl geben, intensiv gesehen und gehört zu werden. Andererseits kann die Beziehungswelt kurzzeitig in den Hintergrund treten, wenn sich die Aufmerksamkeit einem neuen Interesse oder Projekt zuwendet. Entscheidend ist, diese Aufmerksamkeitsrhythmen zu kommunizieren und zu lernen, unsere Funktionsweise klar und freundlich zu erklären. Es geht nicht darum, sich zu rechtfertigen, sondern darum, Beziehungen aufzubauen, die auf gegenseitigem Verständnis beruhen und in denen kognitive Vielfalt zu einer Chance für Begegnung und nicht zu Konflikt wird.

Strategien zur Bewältigung und Verbesserung von Hyperfokus

Wie können Sie Hyperfokus zu Ihrem Vorteil nutzen? Einige praktische Strategien können dabei helfen:
  • Selbstbeobachtung: Lernen Sie, die Anzeichen für Hyperfokussierung zu erkennen (Verschwinden der Zeit, geistige Hyperaktivität, Schwierigkeiten, eine Aufgabe zu beenden).
  • Zeitmanagement: Nutzen Sie Timer, visuelle Erinnerungen oder geplante Pausen, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren.
  • Bewusste Wahl der Aktivitäten: Momente höchster Konzentration für die wirklich wichtigen Aufgaben reservieren und vermeiden, Energie mit nebensächlichen Aktivitäten zu verschwenden.
  • Flexible Routine: Schaffen Sie eine Struktur, die Spontaneität zulässt, ohne Starrheit, aber mit stabilen Bezugspunkten.
Im Arbeits- oder Schulumfeld kann es hilfreich sein, Umgebungen zu wählen, die Autonomie und Vielfalt ermöglichen, in denen sich die kreative Energie von Menschen mit ADHS ungehindert entfalten kann.

Innerer Dialog: von der Bewertung zur Akzeptanz

Viele Menschen mit ADHS wachsen mit einer kritischen inneren Stimme auf: „Warum kannst du dich nicht so konzentrieren wie alle anderen?“, „Warum bringst du nie etwas zu Ende?“ Dieser innere Dialog kann zu Scham und Frustration führen. Doch Veränderung beginnt, wenn Kritik durch Neugier ersetzt wird. Selbstverständnis ist ein Akt der Wertschätzung: Es bedeutet anzuerkennen, dass das ADHS-Gehirn nicht „defekt“ ist, sondern anders, mit seinen eigenen Regeln. Mitfühlendes Selbstgespräch hilft, Selbstkritik abzubauen und das Vertrauen in die eigenen Ressourcen zu stärken. Ziel ist es nicht, sich selbst zu „normalisieren“, sondern ein authentisches Gleichgewicht zu finden und die eigene, einzigartige Art, in der Welt zu funktionieren, anzunehmen.

Hyperfokus als Raum für Wachstum

Viele Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer mit ADHS geben an, dass ihre Erfolge auf dieser Fähigkeit zur völligen Vertiefung beruhen. Hyperfokussierung, ausgerichtet auf die eigenen Werte, kann zu einem starken Motor der Evolution werden: Sie wandelt Leidenschaft in Handeln und Intensität in Sinn um. Mit professioneller Unterstützung können Sie Ihre Arbeitsweise analysieren, individuelle Strategien entwickeln und Ihr Potenzial voll ausschöpfen. Die Therapie wird so zu einem Labor der Achtsamkeit, in dem Hyperfokus nicht länger als Hindernis, sondern als Wegweiser dient.

Fazit: Vom Hyperfokus zur Fülle

Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung nicht darin, die Intensität abzuschalten, sondern darin, sie in Balance zu erleben. ADHS ist nicht einfach nur eine Ansammlung von Schwierigkeiten: Es ist eine andere Art, die Welt zu erkunden, geprägt von Neugier, Energie und Tiefgang. Hyperfokus ist einer seiner faszinierendsten Ausdrucksformen: ein Kanal, durch den der Geist seinen natürlichen Fluss findet. Sich selbst bewusst kennenzulernen, anzunehmen und zu führen bedeutet, vom inneren Konflikt zum harmonischen Miteinander mit dem eigenen Geist zu gelangen. Und genau dann hört ADHS auf, nur eine Diagnose zu sein – und wird zu einer authentischen, intensiven und kreativen Art, Mensch zu sein.

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